Der FC St. Pauli ist weiter auf dem Vormarsch. Im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg erkämpften sich die Hamburger den dritten Sieg in Folge, durch den sie vorübergehend auf Rang vier klettern. In der ersten Hälfte gab es nur zwei Aufreger - die waren dafür umso größer. Nach dem Wechsel bescherte eine starke Einzelaktion von Trojan und das Pech von Goncalves den Hamburgern den Sieg über den Club, der in der Schlussphase in Unterzahl agieren musste.
Nachdem Bruns und Hennings beim 2:1 in Duisburg nach ihrer Einwechslung jeweils einen Treffer zum ersten Auswärtssieg beigesteuert hatten, durften beide von Beginn an ran. Brunnemann fehlte verletzt, Hoilett musste weichen. Beim Gast aus Nürnberg wählte Coach Michael Oenning nach dem 2:1-Erfolg gegen Oberhausen eine etwas defensivere Variante. Für Boakye spielte Engelhardt.
Nach recht bedächtigem Beginn waren es die Nürnberger, die sich etwa nach einer Viertelstunde ein Übergewicht erspielten. St. Pauli stand in dieser Phase tief und machte die Räume eng - das reichte gegen Gäste, denen die zündenden Ideen fehlten. Mehr als eine Halbchance sprang für den Club nicht dabei heraus: Charisteas suchte von der linken Seite den hereinrutschenden Pinola, dem in Mitte jedoch ein guter Meter fehlte (18.). Nach einer halben Stunde hatte sich St. Pauli wieder befreit. Das Geschehen spielte sich zu dieser Phase weitgehend im Mittelfeld ab. In der Offensive fiel beiden Team nicht gerade viel ein. Und wenn es einmal schnell ging, waren die Pässe in die Spitze zu ungenau.
Aufregend wurde es vor der Pause aber doch noch. Erst im Nürnberger Strafraum: Bei Trojans weiter Freistoßhereingabe schien Boll den Ball auf der Torauslinie gerade noch im Spiel gehalten zu haben. Als die Kugel von Goncalves zu ihm zurückprallte und er sie im Netz unterbrachte, wurde jedoch auf Abseits entschieden (33.). Knifflig wurde es auch auf der anderen Seite, wo Hain zweimal in höchster Not zur Stelle war. Erst lenkte er Eiglers Kopfball nach Ecke von Kluge gerade noch zur Seite ab, dann rettete er erneut, nachdem Eger den Ball unglücklich aufs eigene Tor zurückgebracht hatte. Doch vor oder hinter der Linie? Davor, entschied der gut postierte Assistent (34.).
Eine feine Einzelleistung von Trojan und das Pech von Goncalves bescherten den Gastgebern drei Minuten nach dem Wechsel die Führung. In der linken Strafraumhälfte ließ Trojan Reinhardt stehen und brachte den Ball scharf in die Mitte, wo er von Goncalves' Bein Richtung Torlinie sprang. Pinola versuchte noch zu retten - vergeblich.
Der Club musste nun reagieren, tat sich aber weiterhin schwer, im Spiel nach vorne aber weiterhin schwer. Oenning, der zuvor schon den Gelb-Rot-gefährdeten Kluge vom Platz genommen hatte, reagierte und brachte Masmanidis für Engelhardt. Der Mittelfeldspieler fügte sich gut und legte im Sechzehner mit der Hacke für Charisteas auf, bei dessen Schuss aus der linken Strafraumhälfte der Winkel aber etwas zu spitz war (66.).
Drei Minuten später musste der Club dann allerdings einen neuerlichen Rückschlag hinnehmen. Mintal trat im Fallen gegen Hennings nach und sah dafür von Schiedsrichter Manuel Gräfe die Rote Karte. In Unterzahl wurde es für die Gäste nun natürlich noch schwerer. Chancen gab es aber dennoch: Der eingewechselte Boakye prüfte Hain aus der Distanz, ein 20-Meter Schuss von Masmanidis klatschte in der 85. Minute an den linken Pfosten!
Da der Club nun aufmachen musste, boten sich den Hamburgern zwangsläufig Konterchancen, die sie allerdings etwas leichtfertig ausließen. Doch es reichte. Durch den dritten Sieg in Folge kletterte St. Pauli auf Rang vier. Nun geht es am kommenden Montag zu den punktgleichen Freiburgern. Die auswärts weiterhin sieglosen Nürnberger empfangen am Freitagabend Schlusslicht FSV Frankfurt.
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