Auch Ottmar Hitzfeld kann den Negativtrend des FC Bayern nicht stoppen: Nach einer nur wenig inspirierten Vorstellung zieht der Rekordmeister auch beim 1. FC Nürnberg den Kürzeren, der sich durch den Derby-Sieg bis auf vier Zähler an den bayerischen annähern kann.
Club-Trainer Hans Meyer musste seine Elf vom 0:0 in Mönchengladbach auf einer Position umstellen. Nachdem Nikl wegen eines Blutergusses im Oberschenkel nicht auflaufen konnte, bekam der junge Australier Spiranovic seine Chance von Beginn an.
Ottmar Hitzfeld hingegen tauschte bei seinem Comeback auf der Bank der Bayern die Formation, die sich beim 0:0 gegen Bochum noch nach Kräften blamiert hatte, auf zwei Positionen: Sagnol und Hargreaves kehrten ins Team zurück, für sie mussten Ottl und Demichelis weichen.
Nürnberg startete gegen den Rekordmeister hellwach. Nicht einmal eine Minute war gespielt, da musste Gästekeeper Kahn nach einer Flanke Greskos von der linken Seite bereits zum ersten Mal eingreifen, kurze Zeit später war es abermals der ehemalige Nationaltorwart, der bei einem 35-Meter-Freistoß des Argentiniers Pinola mit den Fingerspitzen zur Stelle war (10.).
Von den Münchnern kam hingegen nur wenig. Der Club schnürte die Hitzfeld-Elf in der eigenen Hälfte ein und schlug nach einer knappen Viertelstunde eiskalt zu: Schroth bewies Übersicht und spielte Saenko in die Gasse, der junge Russe umkurvte Kahn, verzögerte geschickt und schob aus zehn Metern Torentfernung zur frühen Führung ein (13.).
Die Gäste antworteten jedoch prompt: Nach einer Schweinsteiger-Ecke kam Lucio im Strafraum zum Abschluss, die Nürnberger Defensivabteilung reagierte jedoch glänzend. Schäfer tauchte ab und kratzte das Leder von der Linie, Wolf schlug es schließlich aus der Gefahrenzone (15.).
Nach gerade einmal 19 Spielminuten wechselte Hans Meyer dann bereits zum ersten Mal. Pinola war zuvor bereits wiederholt mit Gegenspieler Salihamidzic aneinander geraten und hatte sich in einer Aktion gegen den Bosnier die Gelbe Karte eingehandelt, Nürnbergs Coach reagierte und nahm den Argentinier für Polak aus dem Spiel. Pinola reagierte wutentbrannt, spurtete vom Feld und schleuderte auf dem Weg in die Katakomben schließlich noch sein Trikot in Richtung der Reservebank der Franken.
Auch ohne ihren etatmäßigen Außenverteidiger drückte der FCN der Partie aber weiter seinen Stempel auf. Nach Schroths Flanke von der rechten Seite setzte sich Vittek im Kopfball gegen Sagnol durch, wuchtete das Leder aus sechs Metern aber nur gegen den Querbalken des Gästetores (20.).
Die Münchner sorgten hingegen nur vereinzelt für Entlastung. Lediglich Makaay hatte nach einem Laufduell mit Spiranovic die Chance aus 17 Metern, Schäfer tauchte aber reaktionsschnell ab und lenkte die Kugel um den rechten Pfosten (22.).
In der Folge nahm die Intensität etwas ab. Den nun optisch überlegenen Gästen fiel nur wenig ein - lediglich van Bommel versuchte es per 20-Meter-Schuss (27.) - der Club hingegen taktierte nun zusehends und konnte sich auf seine sattelfeste Defensive verlassen.
Den zweiten Durchgang nahmen die Münchner mit nominell drei Spitzen in Angriff. Salihamidzic blieb in der Kabine, an Stelle des Bosniers agierte nun Podolski. Auch die Franken wechselten: Für den angeschlagenen Australier Spiranovic verteidigte nun sein Landsmann Beauchamp.
Zunächst hatten dennoch die Hausherren mehr vom Spiel. Nach einer weiten Flanke Vitteks lauerte Saenko am langen Pfosten und zog ab, traf aus fünf Metern aber nur das Außennetz (54.).
Die Bayern hingegen konnten zunächst nur Hargreaves' Freistoß aus 28 Metern für sich verbuchen, Schäfer lenkte den Standard aber um den rechten Pfosten (56.).
Zwar legten die Gäste nun einen Gang zu und mühten sich redlich, allerdings fehlte dem Spiel des Rekordmeisters weiterhin die Variabilität und die Überraschungsmomente, die bereits während der Magath-Ära schmerzlich vermisst wurden. Die drei Spitzen hingen weitestgehend in der Luft, Kombinationen über mehrere Stationen kamen auf Seiten der Gäste quasi nicht zu Stande.
Auf der Gegenseite zeigten die Nürnberger eine blitzsaubere Kombination, die Schroth mit dem zweiten Nürnberger Treffer krönte: Wolf hatte sich zuvor gegen drei Gästeakteure behauptet und beim Pass auf den links startenden Gresko Übersicht bewiesen. Der ehemalige Leverkusener schlug eine sauber getimte Flanke in den Fünfmeterraum und so musste Schroth aus vier Metern nur noch vollstrecken - Gegenspieler Lahm konnte Nürnbergs Sturmtank nicht am Kopfball hindern (71.).
Die Bayern legten nun noch einmal nach und brachten Santa Cruz sowie Scholl in die Partie, die Münchner Offensivabteilung zeigte sich jedoch auch in der Folge nur wenig durchschlagskräftig. Der Club hingegen verteidigte in Erwartung des Schlusspfiffs und legte nach einem Konter gar noch das 3:0 nach: Nach einer Hereingabe Saenkos narrte Vittek die gesamte Bayern-Abwehr, legte sich die Kugel schließlich noch selbst auf und vollstreckte schließlich aus sechs Metern Torentfernung (86.).
In der Münchner Hintermannschaft brannte es nun lichterloh. Erst klärte Kahn mit den Fäusten gegen Vittek (88.), nur eine Minute später schlug Lahm schließlich in höchster Not das Leder aus der Gefahrenzone.
Beide Teams können nach der heutigen Partie erst einmal bis kommenden Sonntag durchschnaufen. Dann nämlich kann der FCN in Bochum nachlegen, Bayern München hingegen erwartet Arminia Bielefeld.
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